Chancengerechtigkeit

BESSER INS LEBEN STARTEN – BILDUNG REFORMIEREN

Wir Junge Liberale halten Bildung für den zentralen Faktor für Chancengerechtigkeit. Die Gesellschaft sollte jedem Menschen unabhängig von seiner Herkunft ermöglichen, eine exzellente Bildung zu genießen, um ihn zu befähigen, aus eigener Kraft und Leistung aufzusteigen. Der Staat investiert derzeit jedoch viel zu wenig in seine jüngsten Bürgerinnen und Bürger. Viele von ihnen werden später in Berufen arbeiten, die es heute noch gar nicht gibt. Das gesamte Schulsystem ist in der Ausstattung und Ausgestaltung jedoch im letzten Jahrtausend hängen geblieben.

Unser Ziel ist es, jedem Kind die weltbeste Bildung zukommen zu lassen. Dies erfordert nicht nur eine massive Steigerung im Bildungsbudget, mit dem dringend notwendige Investitionen und Modernisierungen der Schulen vorangetrieben werden müssen, sondern auch fundamentale Änderungen im System selbst.

Wir wollen damit anfangen, die Bildungseinrichtung bundesweit bei ihren umfassenden Aufgaben zu unterstützen: Demografischer Wandel, Digitalisierung, Inklusion sowie die Ausbildung von Geflüchteten stellen insbesondere die Schulen vor enorme Herausforderungen. Daher bedarf es in den nächsten vier Jahren einer Änderung des Grundgesetzes, mit der es dem Bund ermöglicht wird, in Bildungsinstitutionen zu investieren. Das Kooperationsverbot wird zu einem Kooperationsgebot.  Wir wollen außerdem, dass die Schulzeit den Schülern die Möglichkeit bietet, sich selbst zu entfalten, indem sie mehr Freiheit und Auswahl beim inhaltlichen und methodischen Angebot der Schulen erhalten. Mehr Wettbewerb zwischen und Eigenverantwortung von Schulen steigert deren Qualität.

Weiter fordern wir:

  • Wir wollen die Vergleichbarkeit der Abschlüsse in Deutschland verbessern. Der Wert eines Schulabschlusses darf nicht davon abhängen, in welchem Bundesland man zur Schule gegangen ist. Daher möchten wir, dass der bildungspolitische Rahmen in Zukunft auf Bundesebene gesetzt wird. Dazu gehören auch deutschlandweit einheitlich gestellte Abschlussprüfungen. Dabei darf es aber keine Angleichung nach unten geben. Des Weiteren soll die Vergleichbarkeit der Abschlüsse auch auf internationaler Ebene und damit die Bologna-Reform durchgesetzt werden. Dadurch wollen wir die internationalen Forschungs-und Austauschmöglichkeiten angestrebt werden.
  • Wir wollen eigenverantwortlichere Schulen: Da die Schulen am nächsten an den Kindern sind, sollen sie künftig selbst über ihr Personal (z.B. auch über einen Schulmanager), die Verwendung von Finanzmitteln, sowie das inhaltliche und methodische Lehrangebot entscheiden. Durch diesen Wettbewerb zwischen autonomen Schulen sollen Schüler und Eltern künftig auch mehr Freiheit bei der Schulwahl erhalten. Hierbei sollen auch noch bestehende Sprengel-Pflichten schnellstmöglich abgeschafft werden.
  • Auch in der Schule soll Leistung reflektiert werden. Daher sind wir für die Beibehaltung des Notensystems. Außerdem setzen wir uns für eine stärkere Binnendifferenzierung nach Leistungsniveaus ein, um sowohl schwächere, als auch stärkere Schüler besser fördern zu können.
  • Wir befürworten den Anspruch auf einen ganztägigen Platz in einer Kindertagesstätte. Dabei sprechen wir uns für eine Form der staatlichen Bezuschussung aus, welche abhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern ist. Die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten und Kindergärten soll erweitert und besser an die Arbeitszeiten der Eltern angepasst werden. Ein Jahr vor der Einschulung soll jedes Kind an einem Sprachtest teilnehmen, um mögliche Rückstände rechtzeitig im letzten Kindergartenjahr („START-Klasse“) aufholen zu können.
  • Es ist in einer digitalisierten Gesellschaft zentral, dass Kinder bereits in der Schule mediale und informationstechnische Kompetenzen Dies soll aber nicht nur im Informatikunterricht geschehen, sondern auch Einzug in andere Fächer finden. Gleichzeitig müssen Lehrer fortgebildet werden, um neue Medien sinnvoll in den Unterricht integrieren zu können
  • Schülern soll es außerdem grundsätzlich ermöglicht werden, ihre eigenen technischen Endgeräte mitzubringen und im Unterricht einzusetzen. Auch bei Prüfungen sollen diese künftig – wo im Einzelfall sinnvoll und geeignet – zum Einsatz kommen dürfen. Kinder, die keine eigenen Geräte besitzen, sollen diese von der Schule gestellt bekommen.
  • Die im zentralen Lehrplan vorgesehenen Pflichtfächer sollen sich künftig stärker an ihrer tatsächlichen, allgemeinbildenden Notwendigkeit orientieren: Sie sollen grundlegendes Allgemeinwissen und Methoden vermitteln, welche unabhängig von der späteren Berufswahl für das nachfolgende Leben als eigenverantwortliches, mündiges Mitglied unserer freiheitlichen Gesellschaft Voraussetzung sind. Dazu zählen wir auch die verstärkte Vermittlung grundlegender Kenntnisse unseres Staats-, Rechts- und Wirtschaftssystems. Der konfessionelle Religionsunterricht soll hingegen an staatlichen Schulen nicht mehr dazugehören.
  • In der Ausgestaltung des Lehrangebots soll allgemein mehr Wahlfreiheit für Schulen und Schüler entstehen. So wollen wir den Wahlpflichtbereich ausbauen, welcher auch von den Schulen eigenverantwortlich um neue Themen oder Fächer ergänzt werden können soll, mit denen die Schüler sich vertiefend beschäftigen wollen oder sonst in ihrer Schullaufbahn nicht in Berührung kommen.
  • Der Diskussion um G8 oder G9 begegnen wir, indem wir den Schülern selbst die Wahl geben: Sie sollen selbst entscheiden können, ob sie mehr Kurse wählen und dafür die Schule früher verlassen oder umgekehrt. Um dies zu ermöglichen und auch Schulen vor Ort weitgehende Flexibilität zu ermöglichen, befürworten wir eine Modularisierung des Unterrichts in der Oberstufe.
  • Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, setzen wir uns für ganztägige Betreuungsangebote an allen Schulen ein.
  • An allen Schulen soll die Studien- und Berufsberatung intensiviert und durch zentrale Informations-Messen ergänzt werden.
  • Wir wollen außerdem eine Reform der Lehrerausbildung erreichen, welche sich künftig als bundeseinheitliches, duales Studium in das Bologna-System eingliedern soll. Insbesondere wollen wir durch die Schaffung eines nicht-konsekutiven Masters of Education auch für Menschen, die im Bachelor nicht auf Lehramt studiert haben, den Quereinstieg in den Lehrerberuf erleichtern.
  • Eine Evaluation der Lehre durch Schüler und Eltern soll ermöglicht werden, um eine bessere Lehrqualität zu erreichen. Es soll auch möglich sein, gute Leistungen der Lehrenden zusätzlich zu vergüten, um die Besten für das Lehramt zu gewinnen. Auch braucht es dringend eine höhere Lehrerdichte an Schulen: Für staatliche Schulen fordern wir mindestens 110 Prozent Personal-Ausstattung, wobei im Durchschnitt auf 20 Schüler ein Lehrer kommen sollte.
  • Damit junge Erwachsene nicht in Nachweisbürokratie ersticken und ihren Bildungsweg unabhängig planen können, setzen wir uns für ein elternunabhängiges BAföG für alle Studierenden, Schülerinnen und Schüler und Auszubildenden ein. Dieses soll benutzerfreundliche online und ohne Medienbruch beantragt werden können sowie ohne jegliche Hilfsmittel, die einer besonderen Anschaffung bedürfen. Die BAföG-Förderdauer muss flexibilisiert werden, um individuellere Studienabläufe zu ermöglichen und nicht jedes akademische Scheitern sofort zu bestrafen.
  • Wer ein Studium abschließt, verdient nachweislich später im Durchschnitt mehr als ein Nicht-Akademiker. Um diesbezüglich Chancengerechtigkeit sicherzustellen, wollen wir, dass sich Hochschulen dafür entscheiden können, nachgelagerte Studienbeiträge einzuführen. Studentinnen und Studenten sollten demnach zwar zunächst kostenlos studieren können, allerdings sobald sie ein ausreichendes eigenes Einkommen erwerben, nachträglich einen Beitrag zur Finanzierung der entstandenen Kosten leisten.

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